Persönliche Erfahrungen

Pflege im Alter – in Deutschland oder in Thailand? Warum mich ein Besuch in Jaffna nicht mehr loslässt

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Das Erste, was ich sehe, als wir durch das Tor gehen, ist ein Garten. Viel Grün, Schatten – und ältere Menschen, die glücklich aussehen. Ich hatte mir auf dem Weg hierher ein ganz anderes Bild zurechtgelegt und stand plötzlich mitten in einem Altenheim im Norden Sri Lankas, in dem mir mehr Lächeln begegneten, als ich erwartet hatte.

Ausgangslage: eine Frage, die man gern vor sich herschiebt

Über Pflege im Alter redet man nicht gern. Ich jedenfalls nicht. Es ist eines dieser Themen, die man für später aufhebt – für eine Zeit, die gefühlt immer noch weit weg ist. Meine Partnerin und ich reisen, wir überwintern in Asien, wir bauen dieses Magazin auf. Pflegeheim? Das war bisher ein Wort, das zu anderen gehörte.

Gleichzeitig kenne ich die Zahlen aus Deutschland. Wer hier im ersten Jahr im Pflegeheim lebt, zahlt nach einer Auswertung des Verbands der Ersatzkassen inzwischen im Durchschnitt 3.364 Euro im Monat aus eigener Tasche – Stand Juli 2026. Fast 3.400 Euro, jeden Monat. Ich habe diese Zahl oft gelesen und genauso oft wieder weggeschoben. Bis zu diesem Nachmittag in Jaffna.

Wie es dazu kam: ein Anruf mitten auf der Reise

Wir waren in diesem Frühjahr wieder in Sri Lanka unterwegs, diesmal vom Westen aus in den Norden, weiter in den Osten und ins Hochland. Jaffna stand auf dem Plan, ein Altenheim nicht. Dann kam der Anruf einer Bekannten: Ob wir, wenn wir schon in Jaffna seien, nicht bei einem Altenheim vorbeischauen wollten.

Ich gebe zu: Ich hatte, ohne es mir einzugestehen, eine ziemlich klare Vorstellung davon, was uns erwarten würde. Karge Räume, wenig Personal, Menschen, die man einfach irgendwo abgestellt hat. Wir sind trotzdem hingefahren.

Was wir in Jaffna erlebt haben

Einfach, aber durchdacht

Die Ausstattung war einfach, das muss man so sagen. Kein Luxus, keine moderne Technik an jeder Ecke. Aber alles war zweckmäßig und durchdacht. Man merkte, dass hier jemand darüber nachgedacht hatte, was die Menschen wirklich brauchen – und nicht, was sich in einem Prospekt gut macht.

Ein Garten statt eines Flurs

Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Gartenanlage. Viel Grün, Schatten, Plätze zum Sitzen und Reden. Das Leben spielte sich nicht in langen Fluren ab, sondern draußen, zwischen Pflanzen und Wegen. Dazu kamen verschiedene Angebote für die Bewohnerinnen und Bewohner, die den Tag strukturierten und dafür sorgten, dass niemand nur auf die nächste Mahlzeit wartete.

Menschen, die sich kümmern

Und dann die Pflegekräfte. Herzlich, zugewandt, mit einer Selbstverständlichkeit im Umgang, die man nicht spielen kann. Hier kümmerte sich jemand – und ließ niemanden einfach verkümmern. Ich habe in diesen Stunden in Gesichter geschaut, die zufrieden wirkten. Das war die eigentliche Überraschung dieses Tages, und vermutlich hat sie mich deshalb so beschäftigt, weil sie so wenig zu meinem Vorurteil passte.

Der Gedanke, der seitdem bleibt

Seit diesem Tag taucht bei meiner Partnerin und mir immer wieder dieselbe Frage auf: Wenn ein einfaches Heim in Jaffna so viel Wärme ausstrahlen kann – wie sähe das dann in Thailand aus, wo wir einen großen Teil des Jahres verbringen?

Nach allem, was wir seitdem gelesen, recherchiert und von anderen gehört haben, sind Infrastruktur und Angebot dort noch einmal deutlich größer: spezialisierte Pflegeresidenzen, teils mit medizinischer Betreuung rund um die Uhr, Gärten, Pools und Programmen, die auf ausländische Bewohner eingestellt sind. Aber das ist bisher nur das, was wir wissen – nicht das, was wir selbst gesehen haben. Genau diesen Unterschied möchte ich nicht verwischen.

Was mich zweifeln lässt

Denn zur Ehrlichkeit gehört auch, was dagegen spricht. Die Entfernung zu Familie und Freunden in Deutschland. Die Sprache, gerade dann, wenn man im Alter vielleicht nicht mehr die Kraft hat, sich zu verständigen. Die Frage, wie gut die medizinische Versorgung im Ernstfall wirklich ist. Und die vielen Regeln rund um Visum, Krankenversicherung und Pflegeleistungen aus Deutschland, die im Ausland nicht einfach so weiterlaufen. Ich habe darauf noch keine abschließenden Antworten – und ich misstraue jedem, der sie mir zu schnell verspricht.

Wie es weitergeht: Pflegeresidenzen im Dezember

Deshalb wollen wir es genau wissen. Im Dezember werden meine Partnerin und ich mehrere Pflegeresidenzen in Thailand besuchen – in Chiang Mai, Pattaya, Hua Hin und Bangkok. Wir wollen sehen, wie der Alltag dort aussieht, mit Pflegekräften und Bewohnern sprechen und verstehen, was hinter den Hochglanzfotos steckt. Darüber werde ich hier berichten, ehrlich und mit allem, was nicht so glänzt. Dazu erscheint in Kürze auch ein Video auf unserem YouTube-Kanal.

Rückblickende Einordnung: was dieser Besuch mit mir gemacht hat

Jaffna hat mir keine Entscheidung abgenommen. Aber es hat ein Vorurteil ausgeräumt: dass gute Pflege zwingend teuer, modern und deutsch sein muss. Was ich dort gesehen habe, hatte weniger mit Ausstattung zu tun als mit Haltung – mit Menschen, die sich Zeit nehmen.

Was ich heute anders machen würde? Ich würde mich früher mit dem Thema beschäftigen. Nicht aus Angst, sondern weil es leichter ist, über Möglichkeiten nachzudenken, solange man selbst noch entscheiden kann. Und ich würde meine eigenen Bilder im Kopf öfter infrage stellen, bevor ich sie für die Wirklichkeit halte.

Meine Erfahrung auf einen Blick

Ein ungeplanter Besuch in einem Altenheim in Jaffna hat mein Bild von Pflege im Ausland gründlich verändert – einfache Ausstattung, aber viel Grün, viele Angebote und Pflegekräfte, die sich wirklich kümmern.

Meine größte Erkenntnis: Gute Pflege hängt stärker an Menschen und Haltung als an Technik und Preis.

Was noch offen ist: wie Pflegeresidenzen in Thailand im Alltag wirklich funktionieren. Das schauen wir uns im Dezember selbst an.

Fazit

Ich weiß heute nicht, ob ich meinen Lebensabend einmal in Deutschland oder in Thailand verbringen möchte. Aber ich weiß, dass ich die Frage nicht mehr vor mir herschieben will. Jaffna hat mir gezeigt, dass es Alternativen gibt, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte – und dass meine Vorstellungen davon ziemlich falsch waren. Das ist meine ganz persönliche Bilanz, kein Rat für andere. Für uns beginnt die eigentliche Recherche jetzt erst.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag beschreibt eine individuelle, persönliche Erfahrung, die sich nicht ohne Weiteres auf andere Situationen übertragen lässt. Er ersetzt keine fachliche Beratung, insbesondere keine medizinische, rechtliche, steuerliche oder versicherungsrechtliche. Informieren Sie sich bei eigenen Entscheidungen zu Pflege im In- oder Ausland zusätzlich individuell und bei den jeweils zuständigen Stellen, etwa bei Ihrer Pflegekasse.

Quellen

  • Verband der Ersatzkassen (vdek) – Eigenanteile in der stationären Pflege, Stand 1. Juli 2026 (Pressemitteilung vom 14. Juli 2026)

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