„Meine letzte Impfung ist Jahre her – muss ich mich jetzt um etwas Neues kümmern?“ Diese Unsicherheit ist berechtigt: Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlungen für 2026 in mehreren Punkten grundlegend überarbeitet, veröffentlicht im Epidemiologischen Bulletin vom 22. Januar 2026. Wer glaubt, der eigene Impfstatus sei „grundsätzlich erledigt“, sobald man einmal alle Standardimpfungen erhalten hat, übersieht, dass sich gerade die Empfehlungen für Menschen ab 50 und 60 in diesem Jahr spürbar verändert haben.
Dieser Beitrag fasst zusammen, welche Änderungen für die Generation 50+ konkret relevant sind – ohne pauschale Dosierungsempfehlungen, die ohnehin nur der Arzt individuell festlegen kann.
Gürtelrose: deutliche Ausweitung der Empfehlung
Bislang war die Zoster-Impfung gegen Gürtelrose bei erhöhtem Risiko ab dem 50. Lebensjahr eine Indikationsimpfung. Die STIKO hat diese Empfehlung nun auf Menschen ab 18 Jahren mit entsprechender Gefährdung ausgeweitet – etwa nach Stammzelltransplantation oder bei bestimmten immunsupprimierenden Therapien. Als reguläre Standardimpfung bleibt die Gürtelrose-Impfung weiterhin für alle Personen ab 60 Jahren bestehen, unabhängig vom individuellen Risiko.
RSV: neue Impfoption und erweiterte Altersgruppen
Bei der Vorbeugung gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) gibt es zwei Neuerungen: Neben den bereits verfügbaren proteinbasierten Impfstoffen wird nun auch ein mRNA-basierter RSV-Impfstoff empfohlen. Die Empfehlung selbst bleibt zweistufig: eine einmalige Standardimpfung für alle Personen ab 75 Jahren sowie eine Indikationsimpfung für 60- bis 74-Jährige mit relevanten Vorerkrankungen und für Bewohner von Pflegeeinrichtungen.
Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick
| Impfung | Bisher | Neu seit 2026 |
| Gürtelrose (Herpes zoster) | Indikationsimpfung ab 50 bei Risiko | Indikationsimpfung ab 18 bei Risiko; Standardimpfung weiterhin ab 60 |
| RSV | proteinbasierte Impfstoffe, Standard ab 75 / Indikation 60–74 | zusätzlich mRNA-Impfstoff verfügbar, gleiche Altersgrenzen |
| Pneumokokken | verschiedene Konjugat- und Polysaccharidimpfstoffe | PCV20 bei Risikogruppen bevorzugt; PPSV23 bei Kindern/Jugendlichen mit Risiko entfällt |
| Influenza / COVID-19 | jährliche Auffrischung empfohlen | jährliche Herbst-Auffrischung unverändert bestätigt |
Was das für Sie praktisch bedeutet
Die STIKO-Empfehlung ist eine fachliche Grundlage, keine automatische Kassenleistung. Ob eine Impfung von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird, regelt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) über die Schutzimpfungs-Richtlinie – bei Gürtelrose und Meningokokken sind die entsprechenden Anpassungen für 2026 bereits beschlossen worden. Der aktuelle Impfkalender ist mehrsprachig unter www.rki.de/impfkalender abrufbar.
Was diesen Beitrag von anderen Ratgebern unterscheidet
Dieser Beitrag übersetzt die medizinisch-fachlichen STIKO-Beschlüsse 2026 gezielt für die Perspektive der Generation 50+ – mit Fokus auf Gürtelrose und RSV, den beiden Themen mit der größten praktischen Relevanz für diese Altersgruppe, ohne individuelle Dosierungs- oder Diagnoseempfehlungen zu geben.
Die 5 wichtigsten Fragen auf einen Blick
Muss ich mich als über 60-Jähriger jetzt neu um die Gürtelrose-Impfung kümmern?
Die Standardimpfung ab 60 bestand schon vorher und bleibt unverändert. Neu ist, dass auch deutlich jüngere Risikopatienten ab 18 Jahren die Impfung als Indikationsimpfung erhalten können.
Was hat sich bei RSV konkret geändert?
Die Altersgrenzen für die Empfehlung (Standard ab 75, Indikation 60–74 mit Risiko) sind gleich geblieben. Neu ist die zusätzliche Zulassung eines mRNA-basierten RSV-Impfstoffs als Alternative.
Übernimmt die Krankenkasse die neuen Impfungen automatisch?
Nur, wenn der G-BA die STIKO-Empfehlung in die Schutzimpfungs-Richtlinie übernommen hat. Für Gürtelrose und Meningokokken ist das für 2026 bereits erfolgt.
Wo finde ich den aktuellen, verbindlichen Impfkalender?
Unter www.rki.de/impfkalender, dort auch in mehreren Sprachen verfügbar.
Ersetzt dieser Beitrag ein Gespräch mit dem Arzt?
Nein. Ob und welche Impfung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von individuellen Vorerkrankungen und Risikofaktoren ab und gehört in ein persönliches Gespräch mit der Hausarztpraxis.
Fazit
Die STIKO-Empfehlungen 2026 verschieben den Fokus bei zwei für die Generation 50+ besonders relevanten Impfungen: Gürtelrose öffnet sich für deutlich jüngere Risikogruppen, RSV bekommt mit dem mRNA-Impfstoff eine zusätzliche Option. Wer die letzte Impfberatung schon einige Jahre zurückliegen hat, sollte das zum Anlass nehmen, den eigenen Status beim nächsten Arztbesuch aktiv anzusprechen – nicht, weil sich pauschal „alles“ geändert hat, sondern weil genau diese beiden Punkte es tatsächlich haben.
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Er enthält bewusst keine Diagnose- oder Dosierungsempfehlungen. Ob eine Impfung für Sie persönlich sinnvoll und von der Krankenkasse übernommen wird, klären Sie bitte mit Ihrer Hausarztpraxis.

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