Der Koffer steht schon wieder halb gepackt neben der Tür, während auf dem Laptop noch eine Präsentation für morgen früh auf mich wartet. Zwei Welten, ein Abend – so fühlt sich mein Leben seit Jahren an, und ehrlich gesagt habe ich mich noch nie ganz daran gewöhnt.
Ausgangslage
Mehr als 54 Länder habe ich inzwischen bereist, und wer mich kennt, weiß: Sri Lanka und Thailand sind für mich längst keine gewöhnlichen Reiseziele mehr, sondern so etwas wie eine zweite Heimat geworden. Gleichzeitig arbeite ich weiterhin für ein großes, amerikanisch geprägtes Unternehmen in Deutschland – mit allem, was dazugehört: Meetings, Deadlines, und den regelmäßigen Entlassungswellen, die in den vergangenen Jahren vor allem ältere Kolleginnen und Kollegen getroffen haben.
Diese beiden Welten lassen sich nicht einfach zusammenlegen. Und genau in diesem Spannungsfeld ist „Leben mit Plan B“ entstanden – nicht als fertiges Konzept, sondern als der Versuch, aus einer Situation, die sich immer wieder unentschieden anfühlt, langsam etwas Eigenes zu bauen.
Der Alltag zwischen zwei Rhythmen
Wenn ich in Deutschland bin, ist mein Alltag von festen Strukturen geprägt: Arbeitszeiten, Termine, ein Kalender, der meistens voller ist, als mir lieb wäre. Sobald ich in Thailand oder Sri Lanka bin, verändert sich dieser Rhythmus spürbar – nicht, weil ich dort weniger zu tun hätte, sondern weil die Zeit dort anders vergeht. Weniger durchgetaktet, weniger fremdbestimmt.
Der eigentliche Konflikt liegt aber nicht im Ortswechsel selbst, sondern in dem, was ich mitnehme: die Erwartungen, die Deadlines, die Gedanken an das, was in Deutschland gerade wieder passiert. Ich habe lange gebraucht, um zu merken, dass ich diesen inneren Wechsel oft schlechter hinbekomme als den äußeren.
Der Moment, der mir das klarmachte
Es gab einen Abend in Colombo, an dem ich mit Blick aufs Meer eigentlich hätte abschalten sollen – und stattdessen gedanklich schon wieder bei einer E-Mail war, die ich am nächsten Morgen in Deutschland beantworten musste. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich zwar geografisch zwischen zwei Ländern pendle, mental aber viel zu selten wirklich ankomme, egal wo ich gerade bin.
Warum ich trotzdem nicht einfach auswandere
Die naheliegende Frage stellen mir viele: Warum ziehe ich nicht einfach ganz weg, wenn die Verbindung nach Sri Lanka und Thailand so stark ist? Die ehrliche Antwort ist unbequemer, als sie klingt. Es ist nicht nur die Absicherung durch den Job, es ist auch die Unsicherheit, ob ich bereit bin, die eine Sicherheit gegen die andere Freiheit einzutauschen. Ich merke, dass ich diese Entscheidung immer wieder vor mir herschiebe – und dass genau dieses Herumschieben selbst ein Teil der Geschichte ist, die ich hier erzähle.
Rückblickende Einordnung
Im Rückblick war es nie eine bewusste Entscheidung, „zwischen den Welten“ zu leben – es hat sich einfach so ergeben, Schritt für Schritt, Reise für Reise. Heute sehe ich klarer, dass genau dieses Dazwischen der eigentliche Nährboden für „Leben mit Plan B“ war. Hätte ich mich früh für die eine oder andere Seite entschieden, gäbe es dieses Projekt vermutlich gar nicht.
Was ich heute anders machen würde: Ich würde mir früher erlauben, in Thailand oder Sri Lanka tatsächlich anzukommen, statt gedanklich schon wieder im nächsten Meeting zu sein. Diese Lektion lerne ich noch.
| Meine Erfahrung auf einen Blick
● Das eigentliche Pendeln findet nicht zwischen Ländern statt, sondern zwischen zwei inneren Zuständen. ● Über 54 bereiste Länder haben mir gezeigt, wie unterschiedlich sich „Zuhause“ anfühlen kann. ● Der Job in Deutschland gibt Sicherheit – das Leben in Sri Lanka und Thailand gibt mir das Gegenstück dazu, das ich (noch) nicht aufgeben will. |
Fazit
Ich habe keine Lösung für dieses Dazwischen, und ich glaube inzwischen auch nicht mehr, dass es eine geben muss. Das ständige Pendeln zwischen Deutschland und dem Ausland ist unbequem, manchmal anstrengend – aber es ist auch der Grund, warum „Leben mit Plan B“ überhaupt entstanden ist. Für mich persönlich bleibt es eine offene Geschichte, keine abgeschlossene Bilanz.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt eine individuelle, persönliche Erfahrung, die sich nicht ohne Weiteres auf andere Situationen übertragen lässt, und ersetzt keine fachliche Beratung. Informieren Sie sich bei eigenen Entscheidungen zusätzlich individuell und bei den jeweils zuständigen Fachstellen.

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